5. Eingewöhnung des Kindes

Der sanfte Übergang Ihres Kindes aus dem familiären Bereich in die Tagespflege ist von großer Bedeutung für die Entwicklung Ihres Kindes, sowie den weiteren Verlauf des Betreuungsverhältnisses.

Ziel der Eingewöhnung ist das gegenseitige Kennenlernen und ein stabiler Beziehungsaufbau zwischen Kind und Tagesmutter bzw. Tagesvater.

Diese Phase wird stufenweise gestaltet, angelehnt an das Berliner Modell nach John Bowlby, das vom Institut für angewandte Sozialforschung (INFAS) entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren praktisch angewendet wird. Es dient als Orientierungsrahmen für die Übergangszeit vom Elternhaus in die Kita für 3-6 Jährige, ist aber auch übertragbar auf Kinder im Krippenalter und in der Kindertagespflege.

Voraussetzung für ein Gelingen des Eingewöhnungsprozesses ist, dass das Bedürfnis des Kindes nach emotionaler Sicherheit und Bindung im Mittelpunkt steht. Es ist bei diesem wichtigen Entwicklungsschritt der Eingewöhnung auf Ihre Unterstützung angewiesen, Außer den Eltern können es auch andere vertraute Personen sein, mit denen das Kind besonders verbunden ist - die das Kind in dieser Zeit begleiten, wie z. B die Großeltern. Sie bieten die nötige Sicherheit beim Entdecken der neuen Umgebung, dem Kennenlernen der Tagesmutter/des Tagesvaters, des anderen Tagesablaufes und bei der Kontaktaufnahme zu den anderen Tageskindern. Wenn Ihr Kind sich durch Ihre Anwesenheit sicher fühlt, fällt es ihm leichter, in Ruhe Neues zu erkunden und sich auf seine Umgebung, sowie andere Personen einzulassen.

Nehmen Sie sich als Eltern ausreichend Zeit für diese Eingewöhnung, um Ihr Kind als sichere Basis in dieser Phase zu begleiten. Empfehlenswert ist eine Dauer von etwa 2 - 4 Wochen, wobei jedes Kind individuell reagiert und darauf von der Tagespflegeperson entsprechend Rücksicht genommen wird.

In Absprache mit der Tagesmutter/dem Tagesvater genügt es, wenn Sie zunächst gemeinsam nur kurze Zeit dort sind. Um eine Überforderung des Kindes zu vermeiden, sollten Sie in den ersten Tagen keinen Trennungsversuch machen, da diese Anfangszeit eine besonders wichtige Rolle spielt und nicht durch eine Trennung belastet werden sollte.

Über die weiteren Schritte und Abläufe wird Sie die Tagespflegeperson informieren und beraten, denn während des gesamten Prozesses findet ein enger Austausch zwischen Ihnen und den Tageseltern statt. Beim Kontaktaufbau wird die Tagesmutter/der Tagesvater auch Ihre Fragen und Befindlichkeiten als Eltern ernst nehmen, Ihnen verständnisvoll begegnen und Ihnen während dieser Zeit hilfreich zur Seite stehen. Dies legt die Grundlage für die weitere Kooperation miteinander. Informieren Sie hierbei die Tagesmutter/den Tagesvater auch über die bisherige Entwicklung Ihres Kindes, damit diese/r es besser kennenlernt.

Der erste Trennungsversuch zwischen Eltern und Kind sollte erst ab dem 4. Tag geschehen, wegen des dazwischen liegenden Wochenendes aber nicht an einem Montag. Die Reaktion Ihres Kindes darauf enthält wichtige Anhaltspunkte über die weitere Dauer und Gestaltung der Eingewöhnungszeit, worauf die Tagespflegeperson entsprechend eingehen wird. Sie wird sicher auch darauf hinweisen, dass es wichtig ist, dass Sie sich von Ihrem Kind jeweils verabschieden, wenn Sie gehen, selbst wenn es gerade in sein Spiel vertieft ist und es nicht gleich bemerken könnte.

Über die Erfahrung, dass die Eltern zwar gehen, aber auch wiederkommen und die Gewissheit, dass es wieder abgeholt wird, erlangt Ihr Kind sein inneres Gleichgewicht.

Stufenweise wird der Aufenthalt Ihres Kindes in der Tagespflege dann weiter gesteigert.

Die Eingewöhnungsphase kann als abgeschlossen betrachtet werden, wenn Ihr Kind die Zuwendung der Tagesmutter/des Tagesvaters annimmt. Das muss nicht heißen, dass Ihr Kind nicht mehr weint, wenn Sie gehen. Damit drückt es aus, dass es Sie lieber dabei hätte, und das ist sein gutes Recht. Es wird sich jedoch nach Abschluss der Eingewöhnungszeit von der Tagespflegeperson beruhigen und trösten lassen, wenn Sie gegangen sind.

Diese Phase kann als gelungen betrachtet werden, wenn Ihr Kind sich in der neuen Umgebung wohl fühlt und somit für eine gewisse Zeit auf die Eltern verzichten kann.